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Kinder und ihre Stärken verstehen

Diemelsee/Willingen – Eltern sprechen miteinander und mit Erzieherinnen, wobei sie die Stärken ihrer Kinder entdecken – und ihre eigenen: Darum geht es in den „Schatzsuche“-Kursen. Der erste, den das Gesundheitsnetzwerk PORT Willingen-Diemelsee und Kindergärten in den beiden Gemeinden veranstaltet haben, geht derzeit zu Ende. Beim vorletzten Treffen haben die Kursleiterinnen und Eltern Bilanz gezogen.


Das Gesundheitsnetzwerk beschäftigt sich seit Anfang 2025 in Zusammenarbeit mit den Kitas damit, wie Kinder gesund aufwachsen, blickte PORT-Projektkoordinatorin Viktoria Biedermann zurück: „Dabei sind wir auf das Programm Schatzsuche gestoßen und begeisterte Erzieherinnen machten mit.“


Jennifer Rentschler vom Kindergarten Heringhausen leitete den ersten Kurs gemeinsam mit Anika Bienert vom Kindergarten Vasbeck. „Das Programm hält, was es verspricht: Die Eltern sehen Dinge neu und fühlen sich gestärkt – sie haben das Gefühl, die tollsten Kinder der Welt zu haben.“ Die Kursleiterinnen würden dabei gar nicht so viel reden, hebt Anika Bienert hervor: „Es ist toll zu sehen, wie viel Austausch entsteht und dass es nicht nur Input der Erzieherinnen gibt.“


Themen waren etwa hilfreiche Rituale, die verschiedenen Entwicklungsschritte von Kindern und der Umgang mit Streit im Alltag. Die Themenseien wie verschiedene Inseln bereist worden: „Und jeder mit für sich die Schätze mit.“


Hilfreich waren da zum Beispiel Sätze, an die sich Eltern im Streitfall erinnern sollen. Oder einige Tricks: „Ein Kind sieht im Laden etwas, das es unbedingt haben will“, schildert Kursteilnehmerin Simone Amler-Cordes ein bekanntes Problem. Das Spielzeug zu fotografieren und zu sagen, das Kind könne es sich zu Weihnachten oder zum Geburtstag wünschen, würde oft schon helfen. „Das Kind ist ernstgenommen worden“, erklärt Anna-Lena Pohlmann.


Auch gab es viel zu lernen, wie Miriam Lückel verdeutlicht: „Ich habe immer gedacht, meine Kinder könnten grundverschiedener nicht sein – aber wenn es um Grundbedürfnisse geht, sind sie alle gleich.“ Dabei, wie sehr was benötigt werde, gebe es verschiedene Ausprägungen. Doch die Grundzüge zu kennen, sei aufschlussreich. „Es sind keine Erwachsenen. Hier wird wirklich drauf geachtet, sich auf die Stärken der Kinder zu konzentrieren.“


Neun Eltern kamen beim Kurs regelmäßig zusammen. „Wir sind gut ins Gespräch gekommen“, bilanziert Vanessa Neumann-Emde und Miriam Lückel fügt hinzu: „Und das mal mit anderen Eltern als mit denen, mit denen man an der Sandkiste sitzt.“
Der Kurs mit sechs Terminen habe sie zuerst abgeschreckt, sagt Claudia Emde: Da stehe gleich die Befürchtung im Raum, etwas zu verpassen. Aber aus Neugier habe sie sich darauf eingelassen. Und die kleine Gruppe machte die gemeinsame Terminfindung einfach. „Man muss es mal mitgenommen haben und kann beim ersten Termin entscheiden“, rät sie Interessierten an neuen Kursen. Sie selbst habe positive Erfahrungen mitgenommen.


Man könne auch einfach passiv zuhören, sagt Kursleiterin Jennifer Rentschler. Und sich vom anderen Elternteil vertreten lassen: Väter seien anfangs eingeschüchtert gewesen, fanden aber auch Gefallen daran. „Es hilft, die eigenen Kinder besser zu verstehen“, sagt Nicole Heinrich. Eltern erhielten Impulse, um ihre Grundhaltung zu hinterfragen, fügt Miriam Lückel hinzu: Was sie daraus machen, sei allein ihre Sache. „Und man lernt nicht nur die Stärken der Kinder kennen, sondern auch, wie gut man manches schon macht“, lädt Kursleiterin Jennifer Rentschler ein.


Die Kurse stehen Eltern aus Diemelsee und Willingen unabhängig davon offen, ob sie in der Kita stattfinden, welche ihr Kind besucht.

Die nächsten Schatzsuche-Kurse bietet der Kindergarten in Adorf an. Unter dem Titel „Schule in Sicht“ gibt es ab 20. Oktober vier Termine. Ein Basis-Kurs wie der in Heringhausen mit sechs Terminen startet am 16. Februar. Ansprechpartnerin für Interessierte ist in beiden Fällen Melanie Hennecke-Sardo, der Kindergarten ist unter Telefon 05633/207 zu erreichen.

 

Programm fördert seelisches Wohlbefinden
Schatzsuche ist ein Elternprogramm für Kitas, das 2010 bis2013 von der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung entwickelt wurde und seit 2014 bundesweit ausgerollt wird. Eltern und andere Bezugspersonen sollen sich im Gespräch miteinander und mit zertifizierten Erzieherinnen und Erziehern der Stärken und Schutzfaktoren ihrer Kinderbewusst werden. Die Stärkung der Resilienz soll das seelische Wohlbefinden fördern. RED/WF

 

WLZ, 16.10.26, WILHELM FIGGE

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